Dies war als Antwort auf eine melancholische Bemerkung eines Anderen von mir gegeben worden. Den Anfang wollte dieser Jemand in einem weiteren Anfall von Melancholie nun löschen, daher beginnt das neue alte Thema nun eben mit der ersten Antwort.Ich hab für die Bespaßung hier leider keine Zeit mehr eingeplant.

Was mich betrifft, bin ich auf "Dienst nach Vorschrift" zurückgefallen.
Das liegt insbesondere auch an der Verlagerung meiner persönlichen Interessen.
Im Grunde eine Rückentwicklung.
Vor vielen Jahren, als ich noch Schüler war, hab ich mich in den Gründerjahren des WorldWideWeb in Chatrooms bei "Compuserve" gelegentlich mit Leuten in meinem Alter aus USA und Mexiko über meine Vorlieben bei alkoholischen Getränken unterhalten und übers Fernsehprogramm in Deutschland und in den Staaten.
Später habe ich dann in Foren Hardwarebasteleien vorgeführt und konnte Installationstipps zu den exotischsten Geräten geben, da ich einfach alles Mögliche durch die Aushilfstätigkeit in einem gut sortierten Computerladen in Köln selbst ständig unter den Fingern hatte.
Wo auf welche Weise was für ein Jumper wie umgesteckt werden musste, damit sich Gerät X mit Adapter Y an Controller Z anschliessen liess - ich wusste es.
In dem Elektronikschuppen war ich immer Montags, von Dienstag bis Samstag stand ich mit Hemd und Sakko 300m die Straße runter im Vobis Superstore und beriet Fernsehschaffende von WDR und RTL bei der Anschaffung eines neuen Drucker.
Namhafte Gesichter aus dem Fernsehen stehen dann vor Einem und fragen nach, ob der WDR hier Journalistenrabatt bekommen könnte.
Die Freaks in der Computerklitsche haben einfach Bar gezahlt.
Das Hemd behielt ich dann an, stöpselte Kabel bei der Deutschen Bank zusammen und hatte meine erste schnelle Verbindung ins Internet. 80Mbit Standleitung nach Frankfurt, Direktanbindung an den deutschen Internetknoten DE-CIX. Jedem Mitarbeiter gab der Router maximal 2Mbit, aber ich hab mir neue Software dann eben auf 4 Rechnern parallel gesaugt. Leider war auf der Gegenseite Niemand so schnell mit dem Senden.
Ich wechselte den Arbeitgeber, jetzt klingelte allerdings mindestens 2x in der Woche mein Telefon und ein ehemaliger Kollege wollte was über die Rechteverwaltung der Server wissen.
Da half nur Flucht.
Ab in die Karibik und in einem kleinen Kabuff vom Glücksspiel hirnerweichten Amis per Chat erklären, wie sie bei der Bank eine neue Hypothek auf ihr Haus beantragen können um bei uns weiter spielen zu dürfen. Jedenfalls so ungefähr.
Daheim in Deutschland dann ein Draußen-Hobby gesucht.
Ich fand Geocachen. Mit dem Navi in der Hand rumlaufen und kleine Tupperdosen in der Landschaft suchen, finden, sich auf nem Zettel verewigen und wieder verstecken.
Seitdem beantworte ich in Foren Fragen zu GPS-Handgeräten und worauf man beim oder besser noch vor dem Kauf achten sollte, wie man sie einstellt und wie man dieses und jenes am PC konfiguriert, damit man sich die Wanderroute quer durch die Pyrenäen auf der Karte am Bildschirm planen kann.
Vom verkappten Alkoholiker-Nerd zum Bastel-Nerd zum Anzug-Nerd zum Paradies-Nerd und nun geh ich auf Schnitzeljagd weil ich das als Kind wohl zu selten gemacht habe.
Und wenn die Sonne raus kommt, trage ich meist so einen praktischen Hut, da mein schon immer sehr dünnes Haar sich an einigen strategisch ungünstig gelegenen Stellen meines Kopfes zurückzubilden beginnt.
Um dabei noch halbwegs Cool zu wirken, habe ich mir aber einen echten "Tilley" aus Kanada geleistet. Mit lebenslanger Garantie und entsprechend Teuer, trägt sich aber sehr bequem.
Dem Hut lag ein kleines Heftchen bei in dem die Geschichten anderer Besitzer eingetragen sind.
So zum Beispiel die Geschichte von Michael Hackenberger, einem Tierpfleger im Bowmanville-Zoo in Ontario, Kanada. Ein Elefant schnappte sich seinen Hut und frass ihn auf. Bislang ist ihm das sogar dreimal passiert. Es war aber jedes mal der selbe Hut, denn Michael wartete bis sich der Hut auf natürliche Weise wieder zeigte, wusch ihn und trug ihn dann wieder.
Er lehnte es aber ab, vom Hersteller einen neuen Hut zu bekommen damit dieser das lange gereiste Exemplar dem Firmenmuseum überliess.
Da laufe ich also durch die Gegend, nutze satellitengesteuerte Technik im Werte von zig Milliarden Dollar, trage einen Hut den selbst ein Elefant nicht klein kriegt und suche Tupperdosen im Wald.
Ich bin eben alt geworden.
